Die Vinylschallplatte

Bitte nicht (zer)kratzen!

Die damals so moderne, unzerbrechliche Langspielplatte wurde von Peter Carl Goldmark erfunden und 1948 zum Patent angemeldet. In Deutschland kam die erste Schallplatte vier Jahre später auf den Markt – bespielt mit einem Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy. Mit einer Spielzeit von 23 Minuten pro Seite übertraf die LP deutlich ihren Vorgänger, die Schallackplatte.

Die Vinylschallplatten, die auch heute noch in den Regalen zahlreicher Sammler stehen, sind mit Mikrorillen geprägt, was bedeutet, dass sie 100 Rillen pro Zentimeter haben. Sie bestehen aus einer Mischung von Vinylchlorid und Vinylacetat und sind zur besseren Erkennung von Produktionsfehlern auf der Oberfläche mit fein verteiltem Ruß geschwärzt. Durch den Zusatz von einem Prozent Antistatika werden Staub- und elektrostatische Anziehungen verhindert. Die Hitzebeständigkeit wurde außerdem durch kleine Mengen von metallorganischen Verbindungen um das Zehnfache erhöht.

Es wird unterschieden zwischen Mono- und Stereoschallplatten. Während Erstere in Seitenschrift gezeichnet sind, da die Erhebungen auf einer Seite der Rille angebracht sind, sind Letztere mit einer Zweikomponentenschrift versehen, bei der zwei Kanäle in einer Rille vorhanden sind.

Auf den Langspielplatten war Platz für zehn Musiktitel pro Seite, wenn diese eine Länge von ca 2,5 Minuten hatten. Die Abspielgeschwindigkeit von LPs betrug 33 ½ U/min und ihr Durchmesser etwa 30 cm. Singleschallplatten waren wesentlich kleiner: Auf dem 17,3 cm Durchmesser pro Seite fanden gerade viereinhalb Minuten Musik Platz. Es gibt außerdem noch verschiedene Zwischenformate wie die Maxi-Single mit fünf bis acht Minuten pro Seite und die Extended Play, auf die bis zu 15 Minuten Musik passen.

Zunächst waren die verschiedenen Formate sehr unpraktisch, da  man bei Plattenspielern die Frequenz noch nicht umstellen konnte. Als jedoch Mitte der 1950er-Jahre Plattenspieler üblich wurden, die verschiedene Geschwindigkeiten beherrschten, war auch dieses Problem beseitigt.

Die Vinylplatten erfreuten sehr großer Popularität. In 1976 zum Beispiel wurden 71,5  Millionen LPs und 39,1 Millionen Single-Schallplatten verkauft. Und die erste digital aufgenommene LP erschien 1978. Doch bereits 1982 schwanden mit der Einführung der CD die Verkaufszahlen der Schallplatten merklich. 1990 wurden doppelt so viele CDs verkauft wie LPs. Danach ging es mit der Vinylplatte stark abwärts. In den letzten Jahren ist jedoch der Andrang nach den guten alten schwarzen Scheiben wieder gestiegen. Inzwischen werden in Europa wieder jährlich rund 15.000.000 Schallplatten gefertigt. Auf das Schallplattengeschäft entfällt zwar nur knapp 1% des deutschen Musikmarktes, doch es werden auch Unmengen gebrauchter Platten in Secondhand-Läden, auf Flohmärkten und unter Sammlern privater Hand getauscht und gekauft.

Doch nicht alle der guten alten Scheiben waren schwarz. Eine Besonderheit stellten die so genannten Picture-Discs oder Farbige Vinyl-Platten dar. Bei den Picture-Disks wurde ein bedrucktes Papierblatt auf beide Seiten der Schallplatte gelegt, was dann mit einer durchsichtigen Folie bezogen wurde. Auf diese Folie wurden dann die Rillen geprägt, die sich sonst auf der Platte befinden würden. Auf den Platten waren dann Bilder der Künstler oder das Albumcover direkt aufgedruckt, woran aber die Tonqualität der Platten deutlich litt. Während die erste Picture-Disc schon 1933 in den USA erschien, gelang ihr Durchbruch erst 40 Jahre danach. Dass ihre Tonqualität immer noch zu wünschen übrig ließ, hielt Sammler nicht davon ab, die Picture-Discs nur wegen ihres besonderen Aussehens zu kaufen. Anfang der 1980er-Jahre, als die Tonqualität auch an die einer Vinyl-Platte heranreichte und die New-Wave-Musik ihren Einzug hielt, boomte das Geschäft mit den bedruckten Platten.

Die bunten Schallplatten bestanden dagegen nur aus Vinyl, das mit Farbe versetzt war, wodurch die Tonqualität nicht beeinträchtigt wurde. Es gab sie in allen erdenklichen Farben, und durch Schattierungen, Muster und Marmorierungen entstanden echte Kunstwerke. Schon in den 40er-Jahren entwickelt, erlangten die farbigen Platten aber ebenfalls erst in den 70-ern ihre große Beliebtheit. Es ging sogar soweit, dass die bunten Schallplatten als Standard produziert wurden und es nur noch eine begrenzte Menge schwarzer Schallplatten gab.  Durch diese Kommerzialisierung verloren jedoch Sammler das Interesse an den bunten Platten, und der Trend starb wieder aus.

Neben den ungewöhnlichen Farben wurden auch Schallplatten produziert, die ungewöhnliche Formen hatten. Hierbei wurde ein Foto, zum Beispiel eine Gitarre, ein Herz oder der Umriss des Stars aus der Mitte der Platte herausgesägt, der unberührte Rest der Platte als Abspielmedium genutzt.

Die Schallplatte war nicht nur international erfolgreich, sondern schaffte es sogar bis ins All! Als 1977 die Raumsonden Voyager I und II in den Weltraum geschickt wurden, hatten sie je eine vergoldete Schallplatte an Bord, die als eine Botschaft an außerirdisches Leben dienen sollte. Die Botschaft war zusammengesetzt aus Geräuschen von der Erde, Grüßen in 52 verschiedenen Sprachen und Ausschnitte von Musikstücken aus allen Ländern der Erde. Ebenfalls enthalten war eine Rede des damaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim: “Im Auftrag aller Völker unseres Planeten sende ich Grüße. Wir treten aus unserem Sonnensystem in das Universum und suchen friedlichen Kontakt“. Bisher wurde hierauf jedoch noch keine Antwort erhalten, weder in Schallplattenform noch in sonstigem Format.