Der Wachszylinder
Beginn der kommerziellen Tonaufzeichnung: der Wachszylinder
Der Wachszylinder, auch als Wachswalze bekannt, ist das erste Medium der kommerziellen Tonaufzeichnung. Es handelt sich hierbei um Zylinder aus Wachs, die etwa 10,5 cm lang sind und 5,1 cm Durchmesser haben. Die Materialstärke der hohlen Zylinder beträgt etwa 5 mm. Wiedergegeben wurden sie auf dem Phonographen, einer Erfindung des Amerikaners Thomas Alva Edison (1827-1931) aus dem Jahr 1877.
Die erste Wachswalze wurde 1886 von Bell & Tainter af den Markt gebracht. Sie hatte noch ein völlig anderes Format und bestand aus einem Pappkern, der mit Wachs überzogen wurde. 1888 übernahm Edison diese Idee und entwickelte das Modell, dessen Format sich als Standart durchsetzen konnte. Es hatte keinen Pappkern und wurde zunächst zu 100% aus braunem Wachs hergestellt.
Die Tonaufnahme erfolgt folgendermaßen: Durch einen Trichter wird der Schall auf eine Membran geleitet, die dann mit einem Stift auf die rotierende Walze schreibt. Zur Wiedergabe wird der rotierende Zylinder durch eine Metallnadel abgetastet, die die Schwingung an eine Membran weiterleitet. Diese erzeugt dann wiederum den Schall, der durch den Trichter an die Umgebung abgegeben wird. Die Abspielgeschwindigkeit variierte zunächst zwischen 80 und 144 Umdrehungen pro Minute, je nachdem, ob es sich um Sprach- oder Musikaufzeichnungen handelte, und wurde erst ab 1902 auf 160 Umdrehungen pro Minute genormt.
1902 stellte Edison die schwarze Wachsrolle vor, die als “Black Wax Recordings“ bekannt wurde. Sie war wesentlich härter und hatte dementsprechend auch eine bessere Klangqualität als ihr Vorgänger. Außerdem hatten sie ein wesentlich höheres Auflagegewicht, was zu lauterem Klang führte. Das Material war inzwischen nicht mehr reines Wachs, sondern eine Mischung aus Wachs und Seife, wodurch die Zylinder auch eine längere Lebensdauer bekamen, da Wachs sehr wärmempfindlich ist. Gleichzeitig waren sie aber auch zerbrechlicher als die früheren Zylinder aus reinem Wachs. Sie hatten eine Rillendichte von 100 tpi – Tracks per inch -, was mit der neu genormten Abspielgeschwindigkeit zu einer Spielzeit von etwa 2,5 Minuten führte. 1904 wurden erstmals Wachszylinder mit 4-minütiger Spielzeit hergestellt, bei denen die Rillen dann doppelt so eng lagen.
Einen entscheidenden Fortschritt brachte 1903 die Möglichkeit, die Zylinder zu vervielfältigen, da zuvor jeder Zylinder einzeln aufgenommen werden musste. Nun konnte die Walze elektrostatisch vergoldet werden, wodurch sie elektrisch leitend wurde und ein galvanoplastischer Abdruck gewonnen werden konnte, der dann nur noch mit der heißen Wachsmischung gefüllt werden musste. Abgekühlt konnte der fertige Zylinder entnommen werden. Bekannt wurde dieses Verfahren als Goldguss-Verfahren.
Schon 1894 wurden die “Blue Amberol Zylinder” von dem französischen Uhrmacher Henri Lioret erfunden. Sie wurden schon von einer Menge anderer Hersteller produziert, bevor Edison sie aufgrund eines juristischen Konflikts erst 1912 auf den Markt brachte. Diese Zylinder bestehen aus Celluloid und waren damit auf einmal nicht nur unzerbrechlich, sondern hatten auch eine Aufnahmequalität, die für damalige Verhältnisse grandios war. Die Edison Company hatte eine Qualitätsgarantie von 3000 Abspielungen. Sie waren oft eingefärbt, wodurch sie auch ihren Namen erhielten.
Durch die Entwicklung der Schellackplatte – welche nicht mit der Vinylschallplatte zu verwechseln ist, sondern als deren Vorgänger gilt – wurde die Wachswalze vom Markt verdrängt. Von 1918 an bildeten Platten bei Edison das Hauptgeschäft, Walzen wurden nur noch auf ausdrücklichen Kundenwunsch hergestellt, sozusagen als Akt der Kulanz gegenüber den Besitzern der teuren Phonographen, mit denen die Wachszylinder abgespielt wurden. Die letzte Walze lieferte Edison im Sommer 1929. Danach stellte seine Fabrik nur noch Platten her, unter denen sogar schon frühe LPs waren, die mehr als eine Stunde Laufzeit hatten.
Heute gibt es noch einige Sammler, die ihre Zylinder in Vitrinen aufbewahren, und Sammlerbörsen, auf denen sie zu horrenden Summen gehandelt werden. Es gibt außerdem einige Firmen, die in der Lage sind, die alten Aufnahmen auf CDs zu übertragen.